Donnerstag, 14. August 2008

Detroit: Häuser kosten soviel wie ne Cola

Wir erfahren von der US-Immobilienkrise allen Falls durch astronomische Abschreibungen der Banken. Doch wie das ganze in der Realität und für die Leute aussieht, davon erfährt man kaum etwas. Das macht diesen Artikel der Detroit News so besonders:


Auswirkung der Zwangsversteigerungen: Häuser gehen für $1 weg


Detroit – Für einen Dollar bekommen Sie eine große Cola bei McDonald’s, eine gebrauchte VHS-Kassette bei 7-Eleven oder ein Haus in Detroit.

Die Tatsache, dass ein Haus auf der Ostseite der Stadt kürzlich für $1 gelistet war zeigt, wie sehr der Immobilienmarkt in einer der ärmsten Großstädte der USA unter Druck steht.

Der Verkaufspreis des Hauses mag eine Anomalie sein, aber er veranschaulicht sowohl die Tiefe der Hypothekenkrise in Detroit als auch den raschen Verfall der Häuser in einer der am stärksten verarmten Nachbarschaften der Stadt.

Das Haus, in der 8111 Traverse Street, ein paar Blocks vom Detroit City Flughafen, war das schönste Haus des Blocks, als es im November 2006 für $65,000 gekauft wurde, sagte der Nachbar Carl Upshaw. Aber das Haus fiel letzten Sommer an die Bank zurück, und es dauerte nicht lange bis „die Geier eintrafen“, sagte Upshaw. „Die Wandverkleidung war das erste, was wegkam. Dann nahmen sie den Zaun mit. Dann brachen sie ein und nahmen alles andere mit.“

Das Unternehmen, das beauftragt worden war, das Haus zu verwalten und zu verkaufen, die Bearing Group, verbarrikadierte das Haus mit Brettern, nur um dann festzustellen, dass die Bretter gestohlen wurden, um ein anderes, verlassenes Haus in der Nähe zu verbarrikadieren.

Gauner rissen die Kupferrohre heraus, nahmen die Möbel und die Lampen und alles andere von Wert mit, inklusive der Küchenspühle.

„Es macht keinen Sinn, die Familie hinauszuwerfen“, sagte Upshaw. „Sobald die Leute einmal weg sind, werden sie das Haus in dieser Gegend verlieren.“

Am Dienstag stand das Haus sperrangelweit offen. Die Türen, die in die Küche und den Keller führen, fehlten und die Fenster auf der Vorderseite waren eingeschlagen. Das Gras wuchs bis auf Brusthöhe und verkohlte Reste markierten die Stelle, an der kürzlich die Garage gebrannt hatte.

Als das Haus im Januar für $1.100 auf den Markt gekommen war, hatte es keine anderen Interessenten als die Hausbesetzer, die dort vielleicht für eine Nacht blieben. Angesichts einer Steuerschuld von $4000 und einer hohen unbezahlten Wasserrechnung, senkte die Bank, der das Anwesen gehörte, den Preis auf $1.

Der Verkauf für $1 kostet die Bank $10.000

Während ein Preis von $1 nicht ungewöhnlich ist, wenn Eigentum aus rechtlichen Gründen übertragen wird, war es für Kent Colpaert, den Immobilienmakler, überraschend und beunruhigend, es für $1 an verschiedenen Stellen zu listen.

„Ich habe noch nie ein Haus gesehen, das für $1 gelistet war“, sagte Colpaert.

„Aber es wurde hart getroffen, es ist nurmehr eine Schale.“

Am Dienstag listete Realtor.com ein weiteres Einfamilienhaus, ein Doppelhaus und ein leeres Grundstück für jeweils $1 in Detroit.

Verkäufe für einen Dollar sind die finanzielle Folge der Hypothekenkrise, sagte Anthony Viola von der Realty Corp. of America in Cleveland.

Kreditgeber, die unqualifizierten Käufern während des Gipfels des Subprime-Marktes Kredite gaben, finden sich jetzt als Eigentümer ganzer Nachbarschaften leer stehender, verfallender Häuser wieder.

„Niemand hat viel Mitleid mit diesen Banken, die Subprime-Kredite vergaben“, sagte Viola. „Und in manchen Städten wie Cleveland, lassen die Richter sie nicht auf diesen Anwesen sitzen – sie befehlen ihnen, die Häuser abzureißen oder zu verkaufen.“

Die Bank, die 8111 Traverse Street besaß, war so verzweifelt, das Anwesen los zu werden, dass sie zustimmten $2,500 Maklerprovision und weitere $1000 für den Abschluss des $1 Verkaufs zu bezahlen; die Bank wird auch $500 der Kosten des Käufers bezahlen. Dazu kommen Steuerschuld und Wasserrechnung, und das Haus loszuwerden, wird die Bank ungefähr $10.000 kosten.

„Es macht keinen Sinn, ein einigen Nachbarschaften weiterhin Kosten über Kosten zu bezahlen“, sagte Colpaert. „Es kann finanziell mehr Sinn machen, es weg zu geben.“

Käufer nennt es ein Investment

Colpaert lehnte es ab, den Namen des voraussichtlichen Käufers zu nennen, weil das Geschäft noch nicht ganz abgeschlossen war. Der Makler sagte, der Käufer habe zugestimmt, den gesamten Listenpreis von $1 zu bezahlen und plane, bar zu bezahlen.

Der Käufer, eine Frau aus der Gegend, sieht das Haus als eine Investition und wird dort nicht leben, sagte Colpaert, obwohl es fraglich ist, wie schnell sich die Investition von $1 für die Käuferin auszahlt. Die Installationen des Hauses zu ersetzen, wird zehntausende Dollar kosten, und die Besitzerin wird Probleme haben, die Plünderer davon abzuhalten, die Verbesserungen so schnell zu stehlen, wie sie eingebaut werden. Das Abreißen kostet $5.000, sagte Colpaert.

Gleichzeitig, wird die neue Besitzerin 2009 $3.900 Grundsteuer bezahlen müssen, außer sie fechtet den Bescheid an.

Während es ungewöhnlich ist, dass Häuser für ein Wechselgeld verkauft werden, das die meisten Leute in ihrer Couchritze finden, werden einige verlassene Häuser in Detroit für $100 verkauft; leere Grundstücke können für $300 gekauft werden.

„Mein 14-jähriger Sohn könnte einen ganzen Block in Detroit kaufen“, sagte Ann Laciura von der Bearing Group.


4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"Küchenspüle"

Gerhard Spannbauer hat gesagt…

Das ist wirklich extrem, aber angesichts der enormen Verwerfungen auf dem Finanzsektor wohl kaum eine Überraschung. Es wird in absehbarer Zeit in anderen (Lebens-) Bereichen ähnliche Auswirkungen geben.

Berta Fatso hat gesagt…

Wie ist es möglich, dass die Hauser so billig sind.

Daniela Meyer hat gesagt…

Bei dieser Krise in Detroit... ich würde nie da wohnen. Ich freue mich sogar auf unser Demos-Haus in München. Es war doch teuer, aber die Stadt kann man mit Detroit auch nicht vergleichen..