Montag, 21. Juli 2008

Junge, wo ist meine globale Erwärmung?

Der Klimawandel bzw. die Kontroverse um dessen generelle Existenz ist ein Thema, das auf fast allen politischen Blogs präsent ist. Seltener bis gar nicht findet man solche Ansichten in der normalen Presse, weshalb ich diese Kolumne von Andrew Bolt in der australischen Zeitung Herald Sun vom Freitag so bemerkenswert finde. In groß finden sich sämtliche Graphen hier nochmal.

Kolumne – Sieben Graphen um den Hype um die Erwärmung zu beenden.

Dies sind die sieben Graphen, die der Rudd Regierung schlecht werden lassen sollten.
Dies sind die sieben Graphen, die Sie fragen lassen sollten: Was? Hat die globale Erwärmung aufgehört?

Sehen Sie sie sich selbst an. Sie zeigen, dass sich die Welt seit einem Jahrzehnt nicht erwärmt und sich sogar für einige Jahre abgekühlt hat.
Das Ozean-Eis schmilzt jetzt nicht, sondern breitet sich aus. Die Meeresspiegel haben nicht nur aufgehört zu steigen, sondern angefangen zu fallen.
Auch das Wetter wird nicht extremer. Die Zahl der Zyklone nimmt genauso wenig zu wie die Zahl der Tornados und Hurricanes, und der Regen in Australien hat nicht aufgehört zu fallen.

Außerdem macht die leichte Erwärmung die wir im letzten Jahrhundert bis 1998 beobachten konnten die Welt heute nicht heißer als sie vor 1000 Jahren war.
In Wirklichkeit ist es sogar ein bisschen kälter. Also Junge, wo ist meine globale Erwärmung?

Diese Graphen sollten eigentlich gute Neuigkeiten für die Regierung und all die anderen Erwärmungs-Prediger sein, die gewarnt haben, dass wir durch unsere Gase, die die Erde zur Hölle aufheizen, verdammt wären.

Jetzt kann Premier Minister Howard Rudd wenigstens aufhören, vor Angst zu schwitzen, über die Schrecken der Erwärmung, die er uns angekündigt hat – schreckliche Dürren, das Dengue Fieber, die Malaria, die Verwüstung unseres Landes und unserer Wirtschaft.
Und hey, er kann ankündigen, dass der Notstand für jetzt beendet ist. Sein Schema für den Emissionshandel wird tiefgefroren, während er diese guten Neuigkeiten hier liest.

Gilt das gleiche für sein versprechen diese Woche, dass unsere Stromrechnungen um $200 pro Jahr teurer werden? Sein Versprechen, sogar Essen teurer zu machen? Abgase produzierende Unternehmen aus dem Geschäft und ihre Arbeiter auf die Straße zu werfen?
Sagen Sie das alles ab. Wie wenn Sie Soldat wären. Gute Nachrichten kamen von der Front.

Aber jetzt können Sie sehen, wieso diese Graphen Rudd, der niemals auch nur eine einzige darin enthaltene Tatsache zugegeben hat, schrecken. Glauben Sie, er wagt es zuzugeben, dass er Sie ohne guten Grund in Panik versetzt hat? Unzählige Millionen verschwendet hat?
Trotzdem sind die Fakten unbestreitbar: Die Erde erwärmt sich einfach nicht wie er und seine Schoßhündchen von Wissenschaftlern gesagt haben.

Das ist der Grund weshalb 31.000 andere Wissenschaftler, inklusive solch weltbekannter Größen wie dem Physiker Freeman Dyson, dem Atmosphären-Physiker Richard Lindzen und dem Klimaforscher Fred Singer, letzten Monat einen gemeinsamen Brief veröffentlichten, indem sie die Regierungen warnten, nicht auf den Zug der globalen Erwärmung aufzuspringen.

„Es gibt keinen überzeugenden, wissenschaftlichen Beweis dafür, dass die Freisetzung von Kohlenstoffdioxid, Methan oder anderer Treibhausgase durch den Menschen eine katastrophale Erwärmung der Atmosphäre der Erde oder eine Zerstörung ihres Klimas auslöst oder in der vorhersehbaren Zukunft auslösen wird.“

Aus diesem Grund erklärte Ivar Glaever, Träger eines Physiknobelpreises, diesen Monat „Ich bin ein Skeptiker“ da „wir nicht wirklich wissen, was der tatsächliche Effekt auf das Klima ist“.
Und das ist der Grund, weshalb die amerikanische physikalische Gesellschaft diesen Monate sagte „es gibt eine bedeutende Präsenz von Leuten innerhalb der physikalischen Gemeinschaft, die nicht mit der Schlussfolgerung (des Weltklimarates), dass die anthropogenen [durch den Menschen verursachten] CO2 Emissionen sehr wahrscheinlich der Hauptgrund für die globale Erwärmung seit der industriellen Revolution sind, übereinstimmen.

Also lassen sie mich durch meine sieben Graphen gehen, die dabei helfen zu erklären, weshalb sogar Nobelpreisträger das in Frage stellen, was Rudd behauptet – dieser Mann erwärmt die Welt und ist gefährlich.

Der Hauptgraph stamm vom Hadley Centre of Britain’s Meteorological Office und ist eine der vier Einrichtungen, die die Welttemperatur messen. Wie Sie sehen können ist Erdtemperatur seit 1998 – einem ungewöhnlich warmen Jahr dank der Menge warmen Wassers durch „El Nino“ im Pazifik – wieder auf das gleichmäßige Plateau zurückgefallen und wird von ein paar Jahren der Abkühlung gefolgt.



Der zweite Graph bestätigt sowohl das Stoppen der globalen Erwärmung als auch die anschließende Abkühlung. Er ist von einer anderen dieser vier Einrichtungen, der Universität von Alabama in Huntsville, die die Troposphäre beobachtet – vom Boden bis in 12km Höhe.

Tatsächlich behauptet nur noch eine dieser vier, dass die Temperaturen immer noch steigen. Das ist die NASA, deren Programm von Dr. James Hansen, Al Gores Berater für die globale Erwärmung und ein umstrittener Katastrophen-Beschwörer dessen Team stark für die Bearbeitung von Daten kritisiert wurde, weil so jede Art von Erwärmung übertrieben wird.

Aber bevor ich weiter mache noch eine Vorsichtsmaßnahme: Diese kürzliche Abkühlung widerlegt nicht die Theorie, dass der Mensch die Erde erwärmt. Zehn Jahre sind zu kurz um ein Trend zu sein, natürliche Faktoren könnten im Moment den Effekt unserer Gase neutralisieren.
Dann allerdings basiert die Theorie, dass der Mensch die Erde erwärmt hat, auf einem Temperaturanstieg über einen Zeitraum, der nicht viel länger ist. Nur von 1975 bis 1998.
Und die Klimamodelle, die Wissenschaftler benutzen um eine katastrophale Erwärmung in einem Jahrhundert vorherzusagen, haben irgendwie nie die Abkühlung, die gerade jetzt passiert, vorhergesagt. Und das sind die Modelle auf die Rudd mit unseren Arbeitsplätzen und unserem Geld wettet.


Der dritte Graph zeigt eine andere Überraschung, die die Modelle nie vorhergesagt haben: Die Meeresspiegel haben aufgehört zu steigen. Das Wasser ist seit mindestens 150 Jahren gestiegen, seit die Welt anfing aus der letzten kleinen Eiszeit aufzutauen, und deutlich vor irgendeiner menschgemachten Erwärmung.

Aber die Klimamodelle sagen vorher, dass ein starker Anstieg der Emissionen durch all diese Autos, Kraftwerke und Fabriken seit dem zweiten Weltkrieg einen genauso großen Anstieg auslösen würden und sie so bis 2100 um ganze 59cm anwachsen ließe.
Das war allerdings nicht furchteinflößend genug für Alarmierer wie Al Gore, die behaupteten, ganze Städten könnten tatsächlich unter 6 Metern Ozean ertränkt werden. Aber die Satelliten, die die Meeresspiegel seit 1992 untersucht haben stellten fest, dass die Ozeane während der letzten beiden Jahre stattdessen gefallen sind. Das könnte wieder ein Ausreißer sein, aber es ist nicht das, was die Modelle vorhersagten.



Der vierte Graph scheint eine Abkühlung zu bestätigen. Vergessen Sie die Panikmache der Medien über einen schmelzenden Nordpol; das Meereseis ist auf der südlichen Halbkugel so schnell gewachsen, dass es jetzt mehr Eis auf der Welt gibt als normal ist, sagt die US National Oceanic and Atmospheric Administration.



Graph fünf durchstößt eine andere Furcht. Nein, die globale Erwärmung hat uns nicht mehr Zyklone gebracht – oder mehr Tornados oder Hurricanes, irgendwo. Es gibt auch keinen Beweis dafür, dass Zyklone schlimmer werden, sagt die amerikanische meteorologische Gesellschaft.



Und die Erwärmung hat auch nicht unseren Regen angehalten, trotz des Medienwirbels über eine „Jahrhundertdürre“. Siehe die Aufzeichnungen des Bureau of Meteorology in Graph sechs. Es ist einfach Pech, dass der wankelmütige Regen jetzt dazu tendiert, dort zu fallen, wo er nicht am dringendsten gebraucht wird.


Und bitte, können wir die alte Geschichte von der Welt die niemals wärmer war fallen lassen? Es ist eine falsche Behauptung, die im Jahr 2001 vom IPCC, dem Weltklimarat der UN, bekannt gemacht wurde. Dieser zeigte einen Graph mit der Form eines Hocky-Schlägers der behauptete, es gab über Jahrtausende keine Erwärmung, bis die Menschen im letzten Jahrhundert die Welt vergasten.
Tatsächlich ist dieser Hockey-Schläger jetzt verrufen und letztes Jahr argumentierte Dr. Craig Loehle von US National Council for Air and Stream Improvement [US Rat zur Verbesserung der Luft und Flüsse], dass das Benutzen der Jahresringe von Bäumen eindeutig unverlässlich sei, um vergangene Temperaturen herauszufinden. Stattdessen produzierte er Graph Nummer 7 von den Temperaturen in der Vergangenheit unter Nutzung aller anderen akzeptierten Methoden.

Sie sehen seine Ergebnisse (die aus statistischen Gründen im Jahr 1935 aufhören): Sie zeigen, dass die Menschen im Verlauf des Mittelalters eine Periode durchlebten, die sogar wärmer war als heute. Das war eine Periode von der historische Quellen bestätigen, dass sie so warm war, dass die Bauern auf Grönland sogar Feldfrüchte auf Land anbauten, das jetzt unter Schnee liegt, dass die Briten zu der Zeit Wein anbauten.

Aber ich wiederhole: die Welt kann sich trotzdem wieder erwärmen, und das bald, auch wenn Wissenschaftler am Leibnitz Institut und am Max Planck Institut letzten Monat vorhersagten, dass sie das für mindestens ein Jahrzehnt nicht wird. Wenn überhaupt, sagen Sonnenexperten, die sich über einen Mangel an Sonnenflecken Sorgen machen.

Aber selbst wenn keiner meiner Graphen die Theorie, dass der Mensch eine gefährliche Erwärmung verursacht, widerlegt, sollten sie Sie zumindest innehalten lassen.
Sie sollten Sie offen gegenüber anderen Theorien über den Klimawandel machen, wie der von Dr. Henik Sensmark, Leiter von Dänemarks Centre for Sun-Climate Research, der glaubt dass Veränderungen in der kosmischen Strahlung, welche die Wolken beeinflusst, einen Großteil der kürzlichen Erwärmung erklären könnten. Und jetzt auch die Abkühlung.

Ab, am wichtigsten von allem: wenn dieser Mann mit der Reklametafel wieder an Ihrem Ärmel zieht und schreit „Schnell, helfen Sie mir die Welt zu retten – oder sterben Sie“, umklammern sie ihre Brieftasche mein Freund. Geben sie dem Drängler stattdessen meine sieben Graphen und fragen Sie ihn, wie viel Jahre ohne Erwärmung es noch braucht, bevor er zugibt, dass es wirklich zu früh ist, um in Panik auszubrechen.


4 Kommentare:

David hat gesagt…

Interessanter Artikel. Nur leider stehen viele Wisschenschaftler die gegen den Klimawandel wettern auf der Gehaltsliste einiger Thinktanks. Diese werden von Industrie bezahlt die Klimawandel Lüge zu verbreiten.
Beide Seite haben gute Argumente. Man kann einfach nicht entscheiden was stimmt.

Comorius hat gesagt…

Nicht beide Seiten anschauen unter der Grundthese, dass jeder von der anderen Seite bezahlt wird ... selber nachdenken.

vonn 100% C02 Ausstoß p.a. stammen 95% aus natürlichen Formationen wie Vulkanen. 5% sind anthropologisch.

Von 100% Luft sind 78% Stickstoff, 20% O2 und ca. 0,03% C02.

von diesen 0,03% berechnen wir 5% die vom Menschen gemacht werden, d.h. wir haben eine anthropologische gemachte Erhöhung von 0,00015% p.a.

Wasserdampf (H2O) hat pro Molekül eine ca. 85% höhere Erwärmung zur Folge als CO2. Und das weisse Zeug aus dem Schorsteinen ist kein kondensierendes CO2.

Dazu noch die Tatsache der Ozeane als "CO2 Schlucker"

Daher die Frage: Wie kann die anthropologisch-gemachte Erhöhung der CO2 Konzentration die Ursache für eine Globale Erwärmung in einem religiösem Maßstab herangezogen werden?

David hat gesagt…

Nur doof dass ohne das doofe Klima Gas Wasserdampf (und auch co2) die erde eine Wüste wäre.
Das Klima wandelt sich das ist klar. Aber das hat es auch immer getan (in Libyen freut man sich dass es mehr regnet). Wir haben bestimmt einen geringen Anteil daran. Man sollte co2 verringerung nicht gleich vergöttern aber schaden kann es ja auch nicht wenn man generell schadstoff austöße verringert.

Anonym hat gesagt…

Der Artikel scheint gut übersetzt worden zu sein - leider ist das schon alles, was hier gut ist.

Bolt braucht nämlich leider einiges an Nachhilfe in Sachen "Graphen lesen und interpretieren", denn mehr als die Hälfte der Graphen hat er unsinnig oder falsch interpretiert.

Die ersten beiden Graphen scheinen zunächst Bolts Idee zu beweisen - wenn man aber genau hinsieht, merkt man, dass Bolt den langfristigen Trend völlig übersehen hat und nur auf einen kurzfristigen Trend seit 1998 schaut.

Langfristig zeigen die ersten zwei Graphen nämlich, dass die Temperaturen im Durchschnitt ansteigen (also existiert die globale Erwärmung eben doch!). Insbesondere der zweite Graph ("UAH Satellite-Based Temperature of the Lower Atmosphere") zeigt das deutlich: Von links (1979) nach rechts (2008) gehend sieht man, dass Menge und Fläche der Ausschläge unter der "Null-Linie" abnehmen und darüber zunehmen. Der besonders hohe Wert im Jahr 1998 ist lediglich ein sehr extremer "Ausreißer" nach oben - die "Ausreißer" nach unten (ca. 1984 und 1991) gab es aber genauso. Nur sind sie seit Mitte der 90er Jahre praktisch verschwunden. Sprich: Es sieht im Mittel sehr wohl nach steigenden Temperaturen aus!

Graph Nummer 3 zeigt etwas Ähnliches, und Bolt interpretiert ihn noch extremer falsch. Seit 2006 steigen die Meeresspiegel im Schnitt nicht mehr - bloß: Das ist schon zweimal vorher auf dem Graphen zu sehen, von 1999-2001 und 1994-1996. Danach aber ging es jedesmal wieder nach oben.

In diesem Graphen ist der Mittelwert oder Trend offenbar sogar eingezeichnet worden - das ist wohl die schwarze, ansteigende Linie. Die aber zeigt deutlich nach oben, und auch sonst kann man klar sehen, dass der Trend seit Beginn dieses Graphen (ca. 1993) immer aufwärts geht. Die "Pausen" zwischendurch sind nur wie Treppenabsätze - davor und dahinter geht es grundsätzlich nach oben weiter!

Sorry, aber gerade diesen Graphen kann nur ein Idiot derartig falsch interpretieren - vielleicht sollte Herr Bolt mal über ein paar Veröffentlichungen in der Bild-Zeitung nachdenken. Das würde zu seinem Niveau passen!

Danach kommt ein Set aus drei Graphen zum Eis in den Weltmeeren. Bolt sagt hier ganz richtig, dass *im Augenblick* mehr Meereis vorhanden ist, als es im Mittel bisher war - siehe die oberste Kurve ("GLB", vermutlich "global"). Das gilt aber mal wieder nur für ca. 1-2 Jahre, und wieder einmal gab es auch vorher schon solche "Ausreißer", v.a. auf dem linken Teil der Kurve.

Seit ca. 1995 aber gibt es deutlich mehr Ausreißer nach *unten*, d.h. häufiger haben wir global weniger Eis als das, was die Null-Linie vorgibt. Und egal, woher diese Null-Linie nun kommt: Der Graph zeigt wieder, dass der langfristige Trend eben gerade nicht so ist, wie Bolt behauptet: Es geht hin zu weniger Meereis als früher, sprich: Mehr und mehr gibt es Ausschläge nach unten statt nach oben auf der Kurve.

Interessanter ist da schon die Aufteilung des Eises in südliche und nördliche Hemisphäre (SH, NH), was wohl die anderen zwei Kurven zeigen. Das Eis der nördlichen Hemisphäre zeigt im Prinzip nur eine extremere Variante als das globale Eis: Immer weniger, auf lange Sicht.

Auf der südlichen Halbkugel dagegen sieht man eher einen umgekehrten Trend: Es sieht langfristig fast nach mehr Eis im Mittel aus - nur: Das schwächt das Globale auch nur etwas ab. Wäre zwar interessant zu untersuchen, warum das südliche Eis sich da anders verhält, aber Bolt ist ja noch nicht mal aufgefallen, dass da etwas Ungewöhnlich ist! Er labert lieber was davon, dass es jetzt mehr Eis gibt als normal - und übersieht völlig, dass das nur für die letzten 1-2 Jahre gilt.

Bis hierhin hat Bolt also mehr Mist geredet als sonst was. Die restlichen Graphen hat er endlich mal etwas besser interpretiert.

Graph Nr. 5 zeigt, dass die Anzahl der Hurrikane (wobei da nicht steht, ob das nur USA, nur Australien oder die Welt ist, wo da nach Hurrikanen geschaut wurde) offenbar in den Jahren 1968-2005 nicht zugenommen hat, und ihre Stärke anscheinend auch nicht (wobei die Unterteilung in "schlimm" (severe) und "nicht schlimm" vielleicht ein bißchen grob ist). Nun, darüber wurde ja noch vergangenes Jahr immer wieder neu diskutiert, sprich: Hier ist tatsächlich noch nicht klar, welchen Einfluss der Klimawandel (wenn er denn existiert) auf die Hurrikane hat. Gut, das hat Bolt auch richtig erkannt - ein Beweis dafür, das es keine globale Erwärmung gibt, ist das aber nun wirklich nicht. Es zeigt nur, dass die Schlußfolgerung "höhere Temperaturen bedeuten mehr/stärkere Hurrikane" falsch ist.

Graph 6 zeigt Anomalien beim Niederschlag in Australien. Bolt bemerkt ganz richtig, dass hier nicht etwa weniger Regen fällt, wie es anscheinend (Bolt sagt nichts dazu, und über Vorhersagen für Regen in Australien weiß ich wenig) vorhergesagt wurde. Bolt behauptet nun, der Regen fiele stattdessen einfach an Stellen, wo er nicht dringend gebraucht wird. Toller Spruch, nur zeigt der Graph das bestimmt nicht an!

Der zeigt stattdessen, dass es tendenziell mehr Regen gibt als früher. Sowohl die blauen "Gebirge" um ca. 1975 und 1998 herum als auch die eingezeichnete schwarze Kurve (vermutlich wieder Mittelwert) zeigen genau dass. Sprich: Hier ändert sich eben doch etwas - was Bolt aber gar nicht oder zumindest nicht richtig erkannt hat.

Ob nun der Klimawandel in Australien theoretisch mehr oder eher weniger Regen bringen soll als früher, das weiß ich nicht - und Bolt schreibt dazu auch nichts. Insofern hat man auch hier den Eindruck, dass Bolt nicht wirklich kapiert, was dieser Graph zeigt.

Graph 7 ist ganz interessant, aber weniger aus den Gründen, die Bolt schreibt. Er sagt, der IPCC habe 2001 eine ganz andere Grafik gezeigt, wonach die Temperaturen erst im letzten Jahrhundert immens steil angestiegen wären. Jetzt habe man stattdessen bemerkt (siehe Graph 7), dass es auch schon früher wärmere und kältere Perioden in der Erdgeschichte gegeben habe. Bis hierhin stimmt's meines Wissens.

Nun aber leistet sich Bolt wieder einen Klops: Obwohl der Graph 1935 abbricht, behauptet Bolt, "heute" sei es weniger warm als in einer Periode im Mittelalter. Wenn aber dieser Graph schon vor mehr als 70 Jahren aufhört, ist es kaum möglich, daraus abzulesen, wie warm es "heute" ist! Streng genommen ist das also unbewiesenes Gerede, wenn nicht gar Schlimmeres.

Bleibt noch das Argument, dass es schon früher wärmere und kältere Zeiten gegeben hat. Das stimmt, man kann es tatsächlich am Graphen Nr. 7 sehen. Nur: Auch das widerlegt die Theorie zum Klimawandel nicht! Es zeigt lediglich, dass es auch Veränderungen der mittleren Temperaturen der Erde geben kann, die einen *anderen* Grund haben als den, den wir für die *jetztige* Änderung (wenn wir denn glauben, dass es eine gibt) verantwortlich machen. Das ist aber keine bahnbrechende Erkenntnis und sollte uns nur dazu anhalten, auch mal zu überlegen, ob es unsere CO2-Emissionen sind, die die Temperaturen nach oben treiben, oder vielleicht was anderes - oder eine Kombination aus beidem.

Letzten Endes wissen wir, dass die Klima-Theorien nicht *exakt* stimmen - das ist aber in der Wissenschaft nichts Neues, es wird nur leider selten genauer erklärt. Ob diese Theorien nun gut genug die Realität wiedergeben oder nicht, können wir leider meist erst dann sagen, wenn mehrere Jahre bis Jahrzehnte vergangen sind. Und wenn wir dann erst feststellen, dass die Klimaerwärmung eben doch schlimme Auswirkungen hat (wenn auch vielleicht nicht ganz so schlimm wie behauptet), dann ist es zu spät.

Das wäre beinahe beim Ozonloch passiert. Das hatte jemand schon vorhergesagt, Jahrzehnte bevor es dann um 1980 herum das erste Mal tatsächlich gemessen wurde. Bis dahin hatte man aber bei den FCKW's schon das Steuer herumgerissen, und sehr wahrscheinlich ist es dadurch jetzt weniger schlimm als sonst. Australien wiederum ist noch am stärksten von den Ozonloch-Folgen betroffen - ob der Australier Bolt das mal bedacht hat? Wie sähe es da wohl jetzt aus, wenn man nicht auf die frühen Ozon-FCKW-Warnungen gehört hätte?

Übrigens: Gerade die Treibhaus-Theorie ist ein interessantes Beispiel. Sie geht davon aus, dass Licht ins Treibhaus 'reinkommt, wo es in Wärme umgewandelt wird. Danach aber kann diese Wärme der Theorie zufolge das Treibhaus nicht mehr verlassen, weil Glas eben diese Wärmestrahlung im Gegensatz zum Licht nicht mehr passieren lässt. Also wird es im Treibhaus warm.

Vor einiger Zeit haben aber die bösen, unzuverlässigen Wissenschaftler mal gezeigt, dass diese Theorie für das Treibhaus gar nicht stimmt. Sie bauten nämlich zwei Miniatur-Treibhäuser, und eines davon kriegte normale Glasfenster. Das andere kriegte Fenster aus Kochsalz (kann man dann wohl tatsächlich ähnlich durchsichtig wie Glas hinkriegen). Diese Salz-Fenster lassen nun aber die Wärmestrahlung durch, also sollte dieses Treibhaus deutlich kühler sein als das gläserne. War es aber nicht!

Man stellte dann fest, dass der Temperatureffekt im Treibhaus dadurch zustande kam, dass die Luft darin nicht bewegt wurde. Die also hielt irgendwie die Wärme im Treibhaus drin, nur an den Außenflächen des Treibhauses wurde es kühler, weil die Luft dort Wärme an das Glas abgab, was diese Wärme wiederum an die Außenluft abgab.

Stellt man also einen großen Ventilator in ein Treibhaus, dann dürfte es dort drinnen deutlich kühler werden, weil nach und nach die gesamte Luft mal an der Außenfläche vorbeidüst und dort einen Teil der Wärme nach außen abgibt. Für die Erde allerdings passt diese "Anti-Treibhaustheorie"-Argumentation nicht, denn es gibt recht heftige Winde auf ihr, sprich: Hier ist die Luft ganz gut in Bewegung. Dennoch ist es auf der Erde etwa 15°C wärmer, als es ohne den vorhandenen (und unbestrittenen!) Treibhauseffekt der Erdatmospäre wäre. Die Theorie für's Treibhaus ist also an sich OK, passt nur gerade auf das ursprüngliche Beispiel nicht. Davon wird aber weder das Treibhaus kälter, noch ist die *gesamte* Theorie falsch. So ähnlich ist es mit vielen wissenschaftlichen Theorien.

Der "Treibhauseffekt", der zur Zeit in aller Munde ist, ist dagegen meistens "nur" der zusätzliche, der (vermutlich) durch die zusätzlichen CO2-Emissionen durch Menschen (plus ein paar andere Dinge, Stichwort: Methan-furzende Kühe) zustande kommt.

Vielleicht sollten wir uns eher verhalten wie bei einer Autobahnfahrt im Nebel. Da rasen wir auch nicht mit einem Affenzahn auf der Überholspur dahin, obwohl es Argumente dafür gäbe ("ich seh' keine Gefahr, also is' da auch keine!" oder "Es ist nicht *sicher*, dass da vor mir ein Auto ist... also tu' ich mal so, als wär' da keins!"). Liegt man nämlich mit diesen Argumenten falsch, dann tut's ziemlich weh.

Wenn wir nicht wissen, was da los ist, sollten wir langsamer fahren, bzw. - auf den Klimawandel übertragen - vorsichtiger vorwärts gehen. Wenn wir erst mit 180 Sachen gegen den Vordermann oder die Wand klatschen, dann ist es zu spät.

Also: CO2-Emissionen vorsichtig reduzieren, aber ohne Hysterie. Das gibt uns gleich noch ein paar Vorteile mehr: Viele Verfahren dazu sparen uns Energie (die wir dann nicht mehr durch Verbrennen von fossilen Rohstoffen zu CO2 erzeugen müssen), und damit verbunden Rohstoffkosten. Dann hält sich demnächst das Entsetzen bei Tankstellenrechnungen oder Heizkosten vielleicht wieder in Grenzen.